Dysarthrophonie (Dysarthrie)

Ernst B. (67 Jahre), ist seit über 10 Jahren an Multiple Sklerose erkrankt. Seit ungefähr 2 Jahren merkt er, dass neben dem Gehen auch zunehmend das Sprechen betroffen ist. Er spricht schleppender und bekommt oft zu hören, dass man ihn nicht mehr so gut verstehe wie früher, weil er so verwaschen sprechen würde. Der Klang seiner Stimme hat sich verändert. Sie klingt nicht mehr so voll und tief wie früher. Außerdem hört sie sich etwas zittrig an.

Was ist eine Dysarthrophonie?

Die Dysarthrophonie ist eine zentrale (=das Gehirn betreffende) Sprechstörung, bei der sämtliche am Sprechen beteiligten Organe, Muskeln und Gelenke durch Lähmungen oder Verletzungen beeinträchtigt sind. Dies macht sich auch in der Atmung und der Stimmgebung bemerkbar.
Die Verständlichkeit und Natürlichkeit des Sprechens sind in unterschiedlichen Ausprägungen beeinträchtigt. In leichten Fällen sind die Störungen kaum oder v.a. nur vom Betroffenen selbst wahrzunehmen, während in schweren Fällen kaum bis gar nicht mehr verständlich gesprochen werden kann (Anarthrie). Kombiniert mit Dysarthrophonien treten oft Störungen des Schluckens auf =>Dysphagie. Eine => Facialisparese (Gesichtslähmung) kann ebenfalls eine Dysarthrophonie zur Folge haben.

Was sind die Ursachen?

Die häufigste Ursache ist ein Schlaganfall. Fortschreitende neurologische Erkrankungen, wie z.B. Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Parkinson ziehen ebenfalls häufig eine Dysarthrophonie nach sich. Weitere Ursachen sind Schädel–Hirn-Traumen bzw. Hirntumore.

Was sind die Symptome?

Das Sprechen ist mehr oder weniger deutlich verändert. Die Artikulation ist nicht mehr so deutlich, z.T. näseln die Patienten mehr oder weniger stark, das Sprechtempo kann herabgesetzt sein, der Stimmklang verändert sich. Die Verständlichkeit und die Natürlichkeit des Sprechens sind in unterschiedlichem Ausmaß herabgesetzt.

Was sind die Folgen einer Dysarthrophonie?

Die veränderte Sprechweise hat v.a. soziale Folgen. Der Betroffene wird häufig aufgrund seiner auffälligen Art zu sprechen falsch eingeschätzt, beispielsweise als betrunken. Da die Verständlichkeit oft herabgesetzt ist, ist die Kommunikation erschwert und der Betroffene muss häufig wiederholen, was er gesagt hat. In schweren Fällen, d.h. wenn die Verständlichkeit nicht mehr gewährleistet ist, werden auch Hilfsmittel eingesetzt (Sprechcomputer).

Welche Therapiekonzepte bieten wir an?

FOTT (nach Kay Coombes), PNF (Propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation), Akzent-Methode, Hilfe bei der Versorgung durch computergestützte Kommunikationsmittel.

Was ist eine Facialisparese?

Bei einer Facialisparese ist der N.facialis (Hirnnerv VII) peripher (= außerhalb des Gehirns) oder zentral (= im Gehirn) beschädigt. In der Regel ist nur eine Hälfte des Gesichtes betroffen, seltener kann es zu einer beidseitigen Lähmung der Gesichtsmuskeln kommen. Die Lähmung kann entweder partiell (z.B. nur den Mundwinkel betreffen) oder komplett sein.