Funktionale Stimmstörung / Dysphonie

Die Erzieherin Anna S. (38 Jahre) klagt über Heiserkeit und Engegefühl im Hals- und Brustbereich. Die Heiserkeit nimmt im Laufe eines Arbeitstages zu. Abends ist hat sie oft gar keine Stimme mehr. Außerdem klagt die Patientin oft über Erschöpfung und Spannungskopfschmerz. Die stimmliche Belastung in Anna Sauers Beruf ist sehr hoch. Neben dem Geräuschpegel, den 25 Kindergartenkinder verursachen, und der oft übertönt werden muss, wird auch viel gesungen, es werden Elterngespräche geführt, etc. Außerdem klagt die Patientin oft über Erschöpfung und Spannungskopfschmerz.
Seit Jahren geht Sie wöchentlich einmal zur Chorprobe, doch in letzter Zeit hat Sie das Gefühl, die hohen Töne nicht mehr zu treffen und nicht genug Luft zu haben.

Was sind mögliche Symptome der funktionalen Stimmstörung?

Eine eingeschränkte stimmliche Belastbarkeit, Heiserkeit bis hin zur Stimmlosigkeit und eine Veränderung der Stimmlage (Tonhöhe und –umfang) können ebenso Symptome sein wie Hochatmung (Mitbewegung der Schultern bei der Ruheatmung), Räusperzwang, Reizhusten (evtl. Fremdkörpergefühl) und Druck- und Schmerzempfinden beim Sprechen. Hinzukommen können Verspannungen im Nackenbereich und Schultern und ein erhöhter Muskeltonus.

Was sind mögliche Ursachen?

Grundsätzlich kann man bei einer Stimmstörung von einem multifaktoriellen Geschehen ausgehen, z.B. übermäßige Stimmbelastung gekoppelt mit einer anlagebedingten Einschränkung des Phonationsapparates (zu kleiner Kehlkopf, trockene Schleimhäute, Störung der Mutationsphase =>Mutationsstimmstörungen) oder ein erworbener, gewohnheitsmäßiger Fehlgebrauch der Stimmfunktion (überhöhte Sprechstimmlage, temperamentbedingt zu lautes Sprechen).
Auch Erkrankungen außerhalb des Stimmapparates, die beispielsweise mit einer Schwäche des Allgemeinzustandes einhergehen, können zu einer hyperfunktionellen Stimmstörung führen. Dies sind z.B. HNO-Erkrankungen wie Hals- oder Kehlkopfentzündungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates oder neurologische Erkrankungen. Auch Nikotin und Alkohol fördern Stimmstörungen.

Was kann man tun?

Für eine klare, belastungsfähige Stimmgebung ist folgendes wichtig: Räuspern (Husten ist besser!) und Flüstern ist schlecht für die Stimme. Legen Sie öfters Sprechpausen ein und drosseln Sie die Lautstärke. Alkohol und Nikotin sollten möglichst vermieden werden. Stellen Sie unnötige Lärmquellen ab. Wichtig ist ebenso, viel zu trinken. Eine lockere Körperhaltung unterstützt die Stimme. Die Bauchatmung ist die Vorraussetzung für eine belastbare Stimme. Bauen Sie Stress ab (z.B. durch Sport, Spaziergänge, Meditation…).

Nach welchen Therapiekonzepten arbeiten wir in unserer Praxis?

In einer stimmtherapeutischen Behandlung lernt man die Nutzung der Wechselwirkungen zwischen den Funktionskreisen Atmung, Stimme und Bewegung / Aufrichtung.
Zu den Therapiekonzepten zählen Funktionales Stimmtraining, Atem- und Stimmarbeit nach der Methode
Schlaffhorst-Andersen, die Akzentmethode nach Svend/Smith, Entspannungsverfahren nach Jacobson und autogenes Training.
Sprechen und Singen ist ein ganzkörperliches Geschehen, der Ausdruck von Seele, Körper und Geist. Der Atem ist das verbindende und tragende Element. (Margarethe Saatweber)