Artikulationsstörung - Dyslalie
„Is dehe in den Tinderdaten!“
„Meine Tochter Sabrina ist 4 Jahre alt und kann einzelne Laute nicht richtig aussprechen. Ich kann sie meistens gut verstehen, aber andere müssen immer wieder nachfragen, was sie sagen will. Oft reagiert sie darauf dann sehr wütend oder will gar nicht mehr sprechen.“
„Wenn ich Vorträge halte, stört es mich, dass ich meine Zunge beim Laut /s/ nicht richtig unter Kontrolle habe.“
I. Was ist eine Artikulationsstörung?
Eine Artikulationsstörung ist eine Aussprachestörung. Dabei kann entweder nur ein einzelner Laut/Lautverbindung (partielle Dyslalie) oder mehre Laute/Lautverbindungen (multiple Dyslalie) betroffen sein. Der betroffene Laut/die betroffenen Laute wird/werden falsch gebildet, ausgelassen oder durch einen anderen Laut/andere Laute ersetzt.
Bis zu einem bestimmten Alter sind gewisse Aussprachefehler normal. So wird bis zu einem Alter von zweieinhalb Jahren der Laut /R/ z.B. häufig noch durch ein /H/ ersetzt. Das Kind sagt dann zu einem Roller „Holler“. Zu den schwierigsten Lauten gehören die Laute /S/ und /SCH/. Zum Zeitpunkt der Einschulung sollte keine Artikulationsstörung mehr vorliegen.
Bei einer reinen Artikulationsstörung ist nur das Sprechen beeinträchtigt, nicht jedoch das Sprachsystem als solches in Bezug auf Wortschatz, Grammatik und Satzbau.
II. Sigmatismus (Lispeln)
Der Sigmatismus ist die bekannteste Form einer Aussprachestörung.
Beim Sigmatismus ist das Sprechen zwar verständlich, doch wird bei der Produktion des Lautes /s/ die Zunge zwischen den Zähnen heraus geschoben (Sigmatismus interdentalis), oder die Zunge stößt von innen gegen die Zähne (Sigmatismus adentalis). Oft ist der Sigmatismus auch mit einer => myofunktionellen Störung kombiniert.
III. Was sind die Ursachen von Aussprachestörungen?
Die Ursachen sind oft nicht eindeutig klärbar. Liegt eine angeborene Hörstörung, eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, eine geistige Behinderung oder eine neurologische Erkrankung vor, kann es zu Beeinträchtigungen in der Aussprache kommen. Als weitere Risikofaktoren können häufige Mittelohrentzündungen oder Paukenergüsse genannt werden. Genetische Faktoren wie ein familiär gehäuftes Auftreten von Sprachstörungen oder Schwierigkeiten während der Schwangerschaft und Geburt gehören ebenso zu den Risikofaktoren wie ein zu langes Daumenlutschen oder Schnullern (v.a bzgl. eines Sigmatismus). Ebenfalls kann eine
=> auditive Wahrnehmungsstörung als mögliche Ursache genannt werden. Im Erwachsenenalter rührt eine Aussprachestörung häufig von einer zu schwach ausgeprägten Muskulatur her.
IV. Was können Sie als Eltern tun?
Seien Sie ein gutes sprachliches Vorbild und sprechen Sie langsam und deutlich mit Ihrem Kind. Halten Sie Blickkontakt während eines Gespräches. Lassen Sie Ihr Kind nicht nachsprechen und verbessern Sie es nicht, sondern wiederholen Sie die Aussagen des Kindes korrekt. Lesen und sprechen Sie viel mit Ihrem Kind, haben Sie gemeinsam Freude am Sprechen.
V. Wie behandeln wir?
In der Therapie wird zunächst geklärt, ob der Patient den Unterschied zwischen dem korrekten und dem von ihm gebrauchten Laut wahrnehmen kann. Hierzu werden Übungen durchgeführt, damit der Patient lernt, sich selbst zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren. Danach wird der fehlerhafte Laut angebahnt, d.h. es wird möglich gemacht, den betreffenden Laut überhaupt zu bilden. Im Anschluss daran folgt die Phase der Festigung, d.h. es wird immer wieder geübt, den „neuen“ Laut in Silben, Wörter, Sätze und Texte einzubauen. Abschließend erfolgen Aufgaben zum sog. „Transfer“ in die Alltagssprache: Der Patient lernt, die korrekte Artikulation auch außerhalb der Übung einzusetzen. Je nach Ursache und Erscheinungsbild der Dyslalie kann es nötig und förderlich sein, lippen- und zungenmotorische Übungen in die Behandlung mit einfließen zu lassen.
Wir behandeln nach dem Konzept von v. Riper mit Hörübungen, mundmotorischen Übungen und Artikulationsübungen, nach dem phonologischen Therapiekonzept von A. Fox und nach dem Ansatz nach Siegmüller/Kauschke.
VI. Literatur
A. Fox, Kindliche Aussprachestörungen. Schulz-Kirchner-Verlag.



