Auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung - Zentrale Hörstörung

„Mein Sohn ist oft sehr unaufmerksam. Wenn im Raum noch andere Geräusche sind, reagiert er manchmal gar nicht, wenn ich ihn anspreche. Er wirkt oft so abwesend.“

„Anna hat große Schwierigkeiten im Diktat.Vor allem bei ungeübten Wörtern macht sie sehr viele Fehler.“

I. Was ist eine auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung?

Unsere Ohren nehmen nicht-sprachliche und sprachliche Reize aus der Umwelt auf. Diese Reize werden an das Gehirn weitergeleitet und verarbeitet. Hierbei spricht man von zentral- auditiver Verarbeitung. Dazu gehören z.B. die Teilbereiche Aufmerksamkeit auf Sprache, Speicherung (=Gedächtnis) und Sequenz (=richtige Abfolge des Gemerkten), Lokalisation (=wo kommt das Geräusch her?), Diskrimination/Differenzierung (hört sich „packen“ und „backen“ gleich an?), Synthese (was gibt „s-o“ zusammen?), Analyse (wie viele Silben hat „Hase“?) und Selektion (ein Wort gegen ein Störgeräusch heraushören). Bei einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung ist das periphere Hören (messbar über „normale“ Hörtests) intakt. Die Verarbeitung der auditiven Reize ist jedoch gestört. Dies kann sich durch Schwierigkeiten in den o.g. Teilleistungsbereichen zeigen. So hat ein Kind mit Problemen im Bereich der Speicherung bspw. Schwierigkeiten, sich auditive Stimuli zu merken. Bei einer Störung im Teilbereich der Diskrimination fällt es dem Kind schwer, ähnliche Geräusche oder Laute (z.B. /T/ und /K/) zu unterscheiden. Dies kann möglicherweise die Ursache für eine => Artikulationsstörung sein.

II. Was ist die Ursache?

Eine genaue Ursache für auditive Wahrnehmungsstörungen kann nicht immer gefunden werden. Zu den möglichen Ursachen werden Hirnreifungsverzögerungen, genetische Faktoren, unzureichende Lernangebote und chronische Mittelohrentzündungen gezählt.

III. Was können die Folgen sein?

Folgen können Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sein. Häufig kommt es auch zu Lese-Rechtschreibproblemen, da die Teilbereiche der auditiven Verarbeitung für das Erlernen der Schriftsprache von Bedeutung sind. Kinder mit auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen reagieren oft verzögert auf eine Ansprache oder sind Geräuschen gegenüber überempfindlich.

IV. Diagnostik

Neben dem verpflichtenden Ausschluss einer Hörbeeinträchtigung, die auf eine Schädigung der Ohren zurückgeht (periphere Hörstörung), findet eine breite Untersuchung verschiedener Höraspekte mit Tests sehr unterschiedlicher Qualität und mit mehr oder weniger hohem technischem Aufwand statt. Die Untersuchung der auditiven Verarbeitung ist so meist nur in spezialisierten Kliniken bzw. einigen pädaudiologischen Praxen möglich, während die Qualität der auditiven Wahrnehmung durch verbreitetere Diagnostika abgeschätzt werden kann. Die Diagnose stellt ein HNO-Arzt oder ein Pädaudiologe.

V. Literatur:

N. Lauer, Zentral-auditive Verarbeitungsstörungen im Kindesalter, Thieme Verlag 2001.
H. Becker, Kinder mit Wahrnehmungsstörungen. Ein Ratgeber für Eltern, Pädagogen und Therapeuten, Schulz-Kirchner-Verlag 2005.