Grammatikalische Störungen - Dysgrammatismus

I. Was ist eine grammatikalische Störung?

Grammatikalische Störungen sind häufig Teil einer => Sprachentwicklungsstörung. Sie zeichnen sich durch nicht altersgemäße Schwierigkeiten in der Grammatik aus.
Diese können sehr unterschiedlich sein. Im Folgenden einige Beispiele:

  • Falsche Verbstellung im Hauptsatz: Das Verb im deutschen steht immer an zweiter Stelle. Einzige Ausnahmen sind Imperativsätze („Lauf zum Auto“) oder Entscheidungsfragen („Möchtest Du lieber einen Apfel oder eine Banane“). Bei Kindern mit einer Spracherwerbstörung kommt es häufig zu einer Verbendstellung („Ich Saft trinken“) auch noch nach dem 3. Geburtstag.
  • Subjekt-Verb-Kongruenz: Dem Kind fehlt das Verständnis dafür, dass das Subjekt das Verb kontrolliert. Beispiel: Statt „Du sitzt“ wird „Du sitze“ gebildet.
  • Falsche Kasusmarkierung: Der Kasus zeigt an, welche Beziehung ein Nomen im Satz hat. Beispiel: Statt „Ich gehe gerne in die Schule“ wird „Ich gerne in Schule gehen“.
  • Falsche Genusmarkierung: Durch die Genusmarkierung wird das Geschlecht eines Nomen angezeigt („der/die/das“). Beim Spracherwerb muss diese zusätzlich gelernt werden.
  • Falsche Mehrzahlmarkierung: Hier liegt eine ähnliche Problematik vor wie bei der Genusmarkierung. Auch hier muss das Kind im Laufe seines Spracherwerbs für jedes Wort dieses Merkmal erlernen, da es im deutschen keine Regelmäßigkeit gibt, wie das folgende Beispiel verdeutlichen soll: die Banane (Einzahl), die Banane-n (Mehrzahl), aber der Schlüssel (Einzahl), die Schlüssel (Mehrzahl).

II. Ursachen einer grammatikalischen Störung

Man geht davon aus, dass Kinder im Zusammenhang mit dem Spracherwerb über so genannte Bootstrapping-Strategien verfügen, die es ihnen ermöglichen, sich beim Erlernen des grammatischen Systems nur auf die notwendigen Daten zu konzentrieren, die sie dann herausfiltern und weiterverarbeiten. Dabei lassen sich verschiedene Risikofaktoren benennen, die eine Störung der Bootstrapping-Strategie verursachen können:

1. Sprachlicher Input und Interaktion: Kinder sind im Lauf des Grammatikerwerbs auf sprachlichen Input angewiesen. Ist dieser nicht adäquat oder besteht dieser selbst aus Fehlern, kann dies den Lernprozess erschweren, wenn nicht sogar ganz zum Erliegen bringen.

2. Gedächtniskapazität: Kann sich ein Kind schlecht Dinge merken, so kann es sich auch schlecht Regeln merken, die aus dem sprachlichen Input abgeleitet werden können.

3. Wahrnehmung zeitlicher Abfolgen: In der Sprache spielt Rhythmus und zeitliche Abfolge eine wichtige Rolle. Bei dysgrammatisch sprechenden Kindern konnte man feststellen, dass die Wahrnehmung von zeitlichen Abfolgen gestört ist. Somit fällt es diesen Kindern schwer, die Position von Satzteilen zu identifizieren.

III. Literatur:

W. Wendland: Sprachstörungen im Kindesalter. Thieme-Verlag 2006.

Sprich mit mir! Tipps, Ideen, Informationen und viele Spiele zur Förderung der Sprachentwicklung. Mehr Zeit für Kinder 2004. Barmer , BVKJ und dbl.