Kindliche Stimmstörungen
Finn, 8 Jahre:
„Also, wenn ich spreche, ist das schon irgendwie anstrengend.“
Therapeutin:
„Und was sagen die anderen zu Deiner Stimme?“
Finn:
„Die älteren Schüler machen sich manchmal lustig und sagen ich spreche krächzend wie ein Papagei.“
Was ist eine kindliche Stimmstörung und was sind die Symptome?
Man unterscheidet funktionelle (keine organischen Veränderungen) und organische Stimmstörungen, sowie einer hypertonen (zu viel an Krafteinsatz) und einer hypotonen Symptomatik (zu wenig an Krafteinsatz).
Viele Kinder leiden an einer permanenten Heiserkeit. Sie berichten von Sprechanstrengung, haben Probleme, sich stimmlich durchzusetzen oder werden wegen ihrer rauen Stimme aufgezogen. Eine Stimmstörung liegt meist dann vor, wenn Kinder über einen längeren Zeitraum (mehr als drei Monate) andauernd heiser, rau oder gepresst sprechen. Beim Versuch, besonders leise oder auch sehr laut zu werden, bricht die Stimme oftmals ganz ab. Durch häufiges Räuspern versuchen die Kinder, etwas gegen das brennende Kratzgefühl im Hals zu unternehmen, aber dadurch wird die Stimme nur zusätzlich strapaziert. Beim Singen ist die Fähigkeit, die Stimme höher oder tiefer zu führen, eingeschränkt. Melodien können nicht mehr sicher nachgesungen werden. Teilweise klingen die Äußerungen - bedingt durch die Heiserkeit - auch viel aggressiver als beabsichtigt. Es kommt beim Gegenüber zu Missverständnissen und zu unerwarteten Reaktionen. Zwangsläufig erleben die Kinder Kommunikation als etwas Negatives, dem sie durch Schweigen auszuweichen versuchen, oder sie machen durch Aggressivität ihrem Ärger Luft.
Was sind die Ursachen für kindliche Stimmstörungen?
Häufig entsteht eine Stimmstörung bei Kindern als Spätfolge einer schweren Infektion der Atemwege, vor allem nach Kehlkopfentzündungen. Auch falsches Atmen kann die Entstehung von Stimmstörungen begünstigen: beim Luftholen werden die Schultern weit hochgezogen, was zu Verspannungen der Hals- und Kehlkopfmuskulatur führt. Häufig findet sich auch ein zu lauter Einsatz der Stimme, um sich zu Hause gegen einen zu lauten Unterhaltungston der Familienmitglieder oder auch in Kindergarten / Schule durchzusetzen. Bei einigen Kindern ist der übermäßige Stimmgebrauch ein deutlicher Ausdruck von tief in ihnen angestauten Angst-, bzw. Minderwertigkeitsgefühlen. Insgesamt ist davon auszugehen, dass kaum allein eine einzige Ursache, sondern eher eine ganz spezielle Kombination von Gründen für die Entstehung einer Stimmstörung verantwortlich ist. Kinder mit einer Stimmstörung sind oft angespannt, schwer zur Ruhe zu bringen und können sich nicht gut konzentrieren. In einer Stimmtherapie werden deshalb auf spielerische Weise allgemeine Entspannungsübungen durchgeführt.
Welche Therapiekonzepte wenden wir an?
Durch die Regulation der Wirkungskreise Atmung, Körperhaltung/Bewegung und Stimme soll eine physiologische Stimmgebung erarbeitet und in die Alltagssprache integriert werden.
Was kann man tun?
Es hilft Ihrem Kind, wenn in ruhigem Ton und in mittlerer Lautstärke mit ihm gesprochen wird. Es hilft, wenn auf Dauerlärm und ständige Berieselung durch Musik und TV verzichtet wird und in der Familie Streitigkeiten und Probleme in ruhigem Ton geregelt werden. Wenn sich Ihr Kind häufig räuspert, sollten Sie es darauf hinweisen. Husten ist für die Stimmbänder schonender als räuspern.



