Myofunktionelle Störungen
"Meine Zähne sind schief. Der Kieferorthopäde meint, dies komme von einem falschen Schluckmuster und ich solle mich bei einem Logopäden vorstellen.“
"Von Anfang an hatte unsere Tochter mit der Bildung des Buchstaben /s/ Schwierigkeiten. Ihr rutscht die Zunge dabei immer zwischen die Zähne.“
"Paul hat ständig den Mund offen. Manchmal läuft ihm dann auch Speichel aus dem Mund.“
Was ist eine myofunktionelle Störung?
Eine myofunktionelle Störung ist Folge eines muskulären Ungleichgewichtes, d.h.manche Muskeln der Gesichts- und Schluckmuskulatur sind sehr aktiv, andere zu wenig. So fallen die Kinder z.B. dadurch auf, dass ihr Mund oft offen steht (zu geringe Kiefer- bzw. Lippenaktivität), sie wenig Mimik aufweisen (zu geringe Aktivität der Gesichtsmuskulatur), und dass ihr Kinn beim Schluckvorgang gekräuselt aussieht (zu starke Aktivität des Kinnmuskels).
Häufig zeigen diese Kinder auch noch ein frühkindliches Schluckmuster, das im Verlauf der Entwicklung nicht durch ein normales Schluckmuster wie bei Erwachsenen ersetzt wurde. Diese Kinder fallen oft erst spät auf, wenn z.B. ein Kieferorthopäde die Zahn- bzw. Kieferstellung korrigieren möchte. Die betroffenen Kinder zeigen ein ungünstiges Schluckverhalten, bei dem im Wesentlichen die Zunge beim Schluckvorgang zu stark gegen die Zähne presst.
Was sind die Ursachen einer myofunktionellen Störung?
Mögliche Ursachen einer myofunktionellen Störung können darin liegen, dass das Kind als Baby seine Lippen- und Zungenmuskulatur nicht ausreichend trainiert hat. Das heißt, dass das Baby möglicherweise kurz (weniger als sechs Monate) oder gar nicht gestillt wurde, die Form des Flaschensaugers nicht adäquat war (Flaschensauger mit zu kleinem Durchmesser), das Saugloch des Flaschensaugers vergrößert wurde oder lang ein Schnuller/Daumen benötigt wurde. Besteht eine Mundatmung, sollte immer abgeklärt werden, ob die Nasenatmung durch vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) eingeschränkt ist. Bei Kindern mit Syndromen (bpsw. Morbus Down) oder bei Kindern mit einer Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte treten häufig myofunktionelle Störungen auf.
Was sind die möglichen Folgen einer myofunktionellen Störung?
Aufgrund einer myofunktionellen Störung kann es zu Zahn- und/oder Kieferfehlstellungen kommen. Eine weitere Folgen können Artikulationsstörungen und/oder eine verwaschene Aussprache sein.
Was kann man tun?
Zur Prävention empfehlen wir Stillen von mindestens sechs Monaten und ein Flaschensauger mit einem großen Lippenschild. Kinder sollten möglichst nicht aus der Schnabeltasse, sondern bald aus Gläsern oder Bechern trinken lernen und Brei mit dem Löffel essen. Schon ab dem sechsten Monat sollte das Kind auch feste Nahrung zu sich nehmen.
Geben Sie Ihrem Kind lieber einen Schnuller als es am Daumen lutschen zu lassen.
Welche Therapiekonzepte gibt es?
In unserer Praxis behandeln wir nach dem Therapiekonzept von
A. Kittel und dem Schluckschlu-Konzept von K. Waschul.
Literatur:
A. Kittel, Myofunktionelle Störungen. Ein Ratgeber für Eltern und erwachsene Betroffene, Schulz-Kirchner-Verlag 2004.



