Stottern

„Ich ka-ka-kann schon Fahrrad fahren.“

„Ich stottere. Ich kann oft nicht das sagen, was ich gerne möchte. Ich brauche länger, um einen Satz zu formulieren und meine Zuhörer werden oft ungeduldig, schauen weg oder nehmen mir die Worte vorweg. Oft vermeide ich Situationen, in denen ich sprechen muss, weil ich Laute oder Silben wiederhole, weil die Laute sich dehnen und blockieren. Mein Sprechen ist von Mitbewegungen der Augen und des Kopfes begleitet.“

„Auch während meiner Schulzeit wurde ich oft ausgelacht und ich habe mich nicht getraut, mich im Unterricht zu melden.“

„Unser Micha stottert. Wenn er etwas erzählen will, bleibt er hängen und kommt nicht weiter. Wir hoffen nicht, dass wir in der Erziehung etwas falsch gemacht haben.“

I. Was ist Stottern?

Stottern ist eine Störung der Sprechflüssigkeit. Der Redefluss wird unterbrochen. Die stotternde Person weiß, was sie sagen möchte, doch sie schafft es nicht, die Sprech-bewegungen in dem Moment umzusetzen. Symptome des Stotterns sind Lautwiederholungen („B-b-b-b-baum“), Lautdehnungen („ooooooben“) und Blockierungen, also z.B. ein Stimmstopp vor einem Wort („------Kaffee“). Zusätzlich können begleitende körperliche und emotionale Symptome auftreten, wie z.B. Anspannung der Gesichts- und Rumpfmuskulatur, Mitbewegungen des Kopfes, Abbruch des Blickkontakts oder das Vermeiden von bestimmten Sprechsituationen, Buchstaben und Wörtern. Die Symptomatik kann schon zu Beginn des Stotterns sehr ausgeprägt sein, kann aber auch schleichend zunehmen. Typisch für den Verlauf ist der Wechsel von symptomarmen Phasen mit Episoden stärkerer Symptomatik. Ebenso typisch ist, dass das Stottern in unterschiedlichen Situationen und bei unterschiedlichen Personen verschieden ausgeprägt ist.

II. Was sind die Ursachen des Stotterns?

Man geht heutzutage von einem multifaktoriellen Ursachenmodell aus, d.h. es müssen i.d.R. mehrere Faktoren zusammentreffen, dass Stottern ausgelöst wird. Eltern und deren Erziehungsstil, Stress oder ein Trauma kann Stottern nicht auslösen, sondern höchstens aufrechterhalten. Stottern ist auf keinen Fall Zeichen fehlender Intelligenz. Stottern tritt oft familiär gehäuft auf, so dass man von einer genetischen Disposition für Stottern ausgeht. Neuere Forschungsergebnisse lassen eine hirnorganische Ursache vermuten.

III. Was sind die möglichen Folgen von Stottern?

Bemerkt ein Kind, dass es nicht so spricht wie andere, die nicht stottern, kann es passieren, dass es ein so genanntes Vermeidungsverhalten zeigt und gar nicht mehr sprechen möchte. Es antwortet nur noch kurz oder bittet die Mutter, z.B. über den Ausflug am Sonntag zu erzählen, statt selber zu sagen, was es erlebt hat.

IV. Was kann man tun?

Schaffen Sie viele entspannte Sprechsituationen, in denen Ihr Kind flüssig spricht und nicht stottert. Das gibt dem Kind Sicherheit. Geben Sie dem Stotternden Zeit zu sprechen und setzen Sie den Stotternden nicht unter Druck. Sprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind über das Stottern, damit das Stottern nicht zum Tabuthema in der Familie wird.

V. Welche Therapieansätze halten wir für sinnvoll?

Wir behandeln nach dem Non-Avoidance-Konzept von C. van Riper und C. Dell und nach dem Mini-Kids-Konzept von P. Sandrieser und P. Schneider, sowie nach dem indirekten Ansatz von Prof. N. Katz-Bernstein. Das oberste Ziel der Therapie ist meist nicht das stotterfreie, flüssige Sprechen. Vielmehr geht es in der Therapie darum, dass das Kind, bzw. der stotternde Erwachsene seine größtmögliche Sprechflüssigkeit erreicht und ein möglichst lockeres Stottern erlernt. Geübt wird der sichere Umgang mit der Sprechunflüssigkeit.

VI. Literatur:

B. Hansen und C. Iven, Stottern bei Kindern. Ein Ratgeber für Eltern und pädagogische Berufe, Schulz-Kirchner-Verlag 2004.

R. Heap, Wenn mein Kind stottert. Ein Ratgeber für Eltern, Demosthenes Verlag 2000.

M. Hermann-Röttgen, Wenn Kinder stottern. Verlag gruppenpädagogische Literatur.

Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V., www.bvss.de.